Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist ein sehr häufiger Zustand, bei dem das Herz nicht mehr in seinem normalen regelmäßigen Rhythmus schlägt, sondern unregelmäßig. Die oberen Abschnitte des Herzens (Vorhöfe) „zittern“ in einem sehr schnellen und chaotischen Muster, wodurch sich der Blutstrom verlangsamt oder aufhört. Die Hauptpumpenkammern (Ventrikel) schlagen ebenfalls unregelmäßig, wodurch sich der Blutstrom im Körper verschlechtert.

Vorhofflimmern ist ein Problem mit der Elektrik des Herzens. Ein guter Vergleich ist die Bewegung von Wasser in einem Teich. Wirft man einen Stein in eine Ecke des Teiches, verbreitet sich eine wohlgeformte Welle über den Teich. Ebenso verbreiten sich beim normalen Rhythmus die elektrischen Impulse gleichmäßig vom Schrittmacher über die Vorhöfe zum Ventrikel. Wirft man Steine wahllos überall in den Teich, dann entstehen unruhige, chaotische Wellen, die in alle Richtungen verlaufen. Genauso verhalten sich die elektrischen Wellen bei Vorhofflimmern: Das Herz pumpt chaotisch und unregelmäßig.

Wie kommt es zu solchen elektrischen Fehlfunktionen des Herzens? Obwohl wir die Gründe noch nicht vollständig verstehen, gibt es viele unterschiedliche Zustände des Herzens (Tabelle 1), die negativen Einfluss auf dessen elektrische Eigenschaften haben und zu Vorhofflimmern führen können. Vorhofflimmern kann auch ohne bekannte oder erkennbare Herzleiden auftreten. Besonders anfällig für Anomalien sind die Herzzellen an der Einmündung der Lungenvenen in die Vorhöfe. Die Lungenvenen sind dann oft der Ausgangspunkt der chaotischen elektrischen Wellen, die Vorhofflimmern erzeugen.

 

Kommt Vorhofflimmern oft vor?

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmus-Anomalie, von der ca. 2% der Bevölkerung betroffen sind. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Lebensalter. Während junge Menschen selten betroffen sind, steigt der Anteil auf 5% bei den über 65-jährigen und 10% bei den über 80-jährigen.

 

Was sind die Risikofaktoren für die Entwicklung von Vorhofflimmern?

Es gibt eine Anzahl von Beschwerden, die das Risiko für die Entstehung von Vorhofflimmern im Leben erhöhen Nahezu jeder Zustand, der zu einer größeren Belastung des Herzens führt, wird mit Vorhofflimmern in Verbindung gebracht.

Obstruktive Schlafapnoe ist ein Zustand, bei dem während des Schlafes die Rachenmuskeln erschlaffen und zur Blockierung der Luftwege führen. Betroffene schnarchen laut, und Partner berichten, dass sie nach Luft schnappen oder sogar zeitweise nicht atmen. Der wiederholte Sauerstoffmangel ist sehr ungünstig für das Herz und kann zu Vorhofflimmern führen. Adipositas gilt seit kurzer Zeit ebenfalls als Faktor für höheres Risiko für Vorhofflimmern.

Zur fachgerechten Behandlung von Vorhofflimmern müssen diese Grundursachen unbedingt bekannt sein. Dies ist so wichtig wie die eigentliche Behandlung des VorhofflimmernS. Allerdings hat fast ein Drittel der von Vorhofflimmern betroffenen Personen ein normales Herz und keine klare Grundursache. Dies wird als „alleiniges oder isoliertes Vorhofflimmern“ bezeichnet.

 

 

Therapie des Vorhofflimmerns:

 

Die Behandlung von Vorhofflimmern kann aus verschiedenen Komponenten bestehen. Dazu zählen Medikamente gegen die Arrhythmie durch sogenannte Antiarrhythmika auch die Interventionstherapie oder Medikamente zur Behandlung der Risiken im Zusammenhang mit Vorhofflimmern (z. B. Schlaganfall mit gerinnungshemmenden Medikamenten oder ‚oralen Antikoagulanzien‘).

 

 

Welche gerinnungshemmenden Arzneimittel gibt es?

 

Es gibt verschiedene Arten von gerinnungshemmenden Medikamenten (Antikoagulanzien), oft auch als Blutverdünner bezeichnet. Bei Patienten, deren Herzerkrankung und Vorhofflimmern nicht mit den Herzklappen in Zusammenhang stehen, werden folgende gerinnungshemmende Mittel verschrieben: Vitamin-K-Antagonisten sowie neuartige orale Antikoagulanzien (NOAK). Letztere werden auch als „direkte orale Antikoagulanzien“ (DOAK) oder Nicht-Vitamin-K-Antikoagulanzien (NOAK) bezeichnet.

 

Rhythmuskontrolle vs. Frequenzkontrolle

 

Rhythmuskontrolle bedeutet, dass Sie und Ihr Arzt sich zur Erreichung und Erhaltung des normalen Sinusrhythmus entschieden haben. Wenn diese Strategie fehlschlägt oder nicht durchführbar ist, das Vorhandensein von Vorhofflimmern akzeptiert wird oder unvermeidlich ist, kann es wichtig sein, die Herzfrequenz zu senken. Dies wird als Frequenzkontrolle bezeichnet.

 

Die Medikamente zur Milderung oder Unterdrückung der Episoden von Vorhofflimmern werden als „Antiarrhythmika“ bezeichnet.

Antiarrhythmika können helfen, dass Sie nicht in ein VORFLIMMERN zurückfallen. Episoden von Vorhofflimmern können aber auch mit diesen Medikamenten auftreten. Unter Umständen müssen Sie verschiedene Antiarrhythmika ausprobieren, um das Medikament zu finden, das Ihnen am besten hilft. Nicht alle Antiarrhythmika sind für alle Patienten gleich gut geeignet. Welches passende Medikament Ihr Arzt für Sie auswählt, hängt von anderen medizinischen Beschwerden ab, die Sie haben. Zum Beispiel eine ischämische Herzkrankheit (Verengung der Arterien des Herzens) oder Herzinsuffizienz (unzureichende Pumpfunktion des Herzens). Bestimmte Antiarrhythmika, wie Amiodaron ( Sedacoron ), können schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Ihr Arzt wird Sie regelmäßig überwachen, um sicherzustellen, dass Sie die Medikamente weiterhin bedenkenlos nehmen können.

 

Medikamente zur Senkung der Herzfrequenz (Frequenzkontrolle):

 

Es gibt für Personen mit Vorhofflimmern verschiedene Medikamente in Tablettenform, die zum Senken der Herzfrequenz bei beitragen können. Ihr Arzt wird ein Medikament auswählen, das am besten für Sie geeignet ist.

 

Elektrische Kardioversion

 

Wenn Sie eine Episode von symptomatischem Vorhofflimmern haben, die nicht auf rhythmusstabilisierende Medikamente anspricht, wird Ihnen Ihr Arzt eventuell ein Verfahren empfehlen, das als elektrische Kardioversion bezeichnet wird. Mit diesem Verfahren soll Ihr Herzrhythmus wieder in den normalen Rhythmus (Sinusrhythmus) zurückversetzt werden. Der Eingriff wird im Voraus geplant und beinhaltet die Abgabe eines kontrollierten Elektroschocks an Ihr Herz. Der elektrische Impuls ist stark genug, um alle vom Herz erzeugten elektrischen Signale kurzfristig zu stoppen. Dies erlaubt dem natürlichen Schrittmacher des Herzens, dem „Sinusknoten“, wieder die Kontrolle über die Herzfrequenz zu erlangen.

 

Die elektrische Kardioversion wird stationär mit einem sogenannten Defibrillator ausgeführt. Der Defibrillator ist im Prinzip eine starke computergestützte Batterie. Die Abgabe des Elektroschocks erfolgt über zwei großflächige Elektroden (auch als Paddel bezeichnet), die auf den Brustkorb aufgeklebt sind. Die Sticker werden in der Regel auf der Vorder- und Rückseite des Brustkorbs platziert oder rechts und links auf dem Brustkorb.

 

Die Kardioversion ist unangenehm, und Sie erhalten zuvor eine Injektion (Anästhetikum), die Sie narkotisiert. Dadurch spüren Sie während der eigentlichen Kardioversion nichts. Wenn der erste Elektroschock Ihr Herz nicht in den normalen Rhythmus bringt (Sinusrhythmus), wird ein weiterer Elektroschock mit etwas stärkerem elektrischen Impuls abgegeben. Die Kardioversion ist nicht schmerzhaft. Allerdings können die Stellen unter den Elektroden nach dem Eingriff ein oder zwei Tage lang empfindlich sein.

 

Beachten Sie, dass Vorhofflimmern auch nach einer zunächst erfolgreichen Kardioversion (Herzrhythmus hat wieder normalen Sinusrhythmus angenommen) zurückkehren kann. Dies ist bei ungefähr der Hälfte der Patienten im ersten Jahr nach der Kardioversion der Fall. Ob Vorhofflimmern erneut bei Ihnen auftritt, hängt von vielen Faktoren ab. Wenn Sie über ein Jahr lang Vorhofflimmern hatten und zusätzliche Herzbeschwerden (einschließlich Bluthochdruck) vorliegen, ist ein erneutes Auftreten wahrscheinlicher.

 

Katheterablation von Vorhofflimmern

 

 

Ablationstherapie: Pulmonalvenenisolation (PVI)

 

Die Lungen- oder Pulmonalvenen sind Blutgefäße zwischen der Lunge und dem linken Vorhof, die sauerstoffhaltiges Blut zum Herzen zurückführen. Ausläufer des Vorhofmuskels erstrecken sich in einer kurzen Entfernung (bis ca. 5 cm) vom Körper des linken Vorhofs in die Lungenvenen. Bei Personen mit Vorhofflimmern weisen diese Muskelverlängerungen elektrische Aktivität auf, die schnell ist und nicht von der normalen Aktivität des Herzens gesteuert wird. Diese anomalen elektrischen Entladungen produzieren infolge komplexer Interaktionen elektrische Aktivität in schneller Folge (400-650 pro Minute) und unregelmäßigen Abständen. Dadurch werden leichte mechanische Kontraktionen in den Vorhöfen ausgelöst.

 

Die Ausbreitung anomaler elektrischer Aktivität, die in den Pulmonalvenen entsteht, lässt sich beenden, indem die Zellen an der Einmündung der PV zum linken Vorhof irreversibel deaktiviert/zerstört werden, sodass sie keine elektrischen Signale leiten können. Die Deaktivierung der Zellen an der Einmündung der PV lässt sich durch mehrere Verfahren erreichen: durch Temperaturbehandlung durch Erhitzen der Zellen (mehr als 55 Grad Celsius, aber unter 80 - 90 Grad) bzw. Abkühlen der Zellen (unter -50 Grad Celsius) oder durch Herzoperation.

 

Der Arzt führt durch kleine Einstiche in der Leiste mehrere Katheter in die Femoralvene ein und schiebt diese anhand einer Röntgenaufnahme bis zum rechten Vorhof. Zum Erreichen des linken Vorhofs verwendet der Arzt einen langen Nadelkatheter. Damit punktiert er die Trennwand zwischen rechtem und linkem Vorhof und führt dann den/die Katheter in den linken Vorhof ein.

 

Kryoballon-Ablation

 

Bei der Pulmonalvenenisolation mittels Kryoballon (Verödung durch Kälte) wird ein spezieller Ballon (Kryoballon) unaufgeblasen in den linken Vorhof eingeführt, dann aufgeblasen und dicht an der Mündung der Pulmonalvenen platziert. In den Ballon wird ein unter Druck stehendes Kältemittel eingesprüht, das dabei Hitze absorbiert und sehr niedrige Temperaturen erzeugt. Dadurch wird das Gewebe im Kontakt mit dem Ballonumfang stark abgekühlt. Nach ausreichender Abkühlung wird der Ballon erwärmt und entleert. Anschließend wird die Ablation an der anderen Pulmonalvene wiederholt. Wenn der Ballon in Kontakt mit der Verbindung von Pulmonalvenen mit linkem Vorhof gebracht wird, sorgt die resultierende kreisförmige Kryoläsion für Pulmonalvenenisolation.

 

Die Pulmonalvenenisolation erfolgt unabhängig vom eingesetzten Verfahren in Vollnarkose mit künstlicher Beatmung. Alternativ ist auch eine starke Sedierung mit eigenständiger Atmung möglich. Nach dem Eingriff wird ein Kompressionsverband auf der Leiste angebracht. Sie werden dann zu Ihrem Bett zurückgebracht und können das Krankenhaus in der Regel am nächsten Tag verlassen. Nach der Entlassung können Sie nach wenigen Tagen Ihr normales Leben weiterführen. Sie müssen in der Regel weiterhin für mindestens acht Wochen nach dem Eingriff noch Antikoagulanzien (zur Verhinderung von Blutgerinnseln) einnehmen. Häufig werden noch weitere Medikamente zur Kontrolle von Herzrhythmus und Herzfrequenz verordnet.

 

Selbstverständlich sind mit jedem interventionellem bzw. invasiven Eingriff auch entsprechende Risiken verbunden, über die ich Sie gerne im Rahmen meiner Ordination aufklären möchte!

 

Weitere Informationen zum THema Vorhofflimmern finden Sie unter: http://www.afibmatters.org/

Alle oben genannten Informationen sind von der Seite www.afibmatters.org entnommen!